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John Calvert

Aus Zauber-Lexikon
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John Calvert mit seiner Ehefrau Tammy; Foto: Wittus Witt
John Calvert: Zeitungszerreißen; Foto: Wittus Witt
John Calvert: Lazy Magician; Foto: Wittus Witt

John Calvert (* 5. August 1911 in New Trenton, Indiana, USA; † 27. September 2013 in Lancaster, Kalifornien, USA) war ein US-amerikanischer Zauberkünstler und zeitweise Hollywood-Schauspieler.

Leben

Der in New Trenton (USA) geborene Künstler trat auch noch mit über 90 Jahren in 2-Stunden-Programmen auf. Seit seinem 8. Lebensjahr war er von der Zauberkunst begeistert. Er verließ frühzeitig das College (Psychologie-Studium), um Berufskünstler zu werden. Er stellte große Revuen zusammen und war damit der erste Zauberer, der am Broadway wochenlang gastierte. 1936 kaufte er sein erstes Flugzeug, mit dem er und seine Ensemblemitglieder zu den Auftrittsorten flogen. 1941 wurde er von Hollywood entdeckt und spielte im Laufe der Zeit in einer Reihe von Filmen. Ende der 1950er Jahre kaufte er eine Yacht und tourte fortan mir ihr und seiner Show mehrmals um die Welt.

Zu seinen Assistenten gehörte unter anderem für eine kurze Zeit auch der Zauberkünstler Kirk Kirkham.

Biografie

Mit 8 Jahren fuhr er bereits den elterlichen Traktor allein. Im selben Jahr, 1919, nahm ihn sein Vater, Elbern Frederick Calvert, mit zu einer Vorstellung von Howard Thurston (1869-1936) in das Grand Opera House von Cincinnati. Das Zauberfeuer war gelegt. Seine erste Vorstellung gab er kurze Zeit darauf anläßlich einer Kirchenveranstaltung. Da es in seiner unmittelbaren Nähe keine Zaubergeschäfte gab, brachte er sich viele Kunststücke selbst bei und erfand Griffe, um Münzen und Karten verschwinden und er­scheinen zu lassen.

Als er 14 Jahre alt war, baute ihm sein Bru­der Bernard die Vorrichtung, um eine Person schweben zu lassen.

Während der Schulzeit erkrankte er an Polio und mußte einige Zeit an Krücken laufen. Als er sich davon einigermaßen erholte, zog er sich bei einem Ferienjob in einer Fabrik schwere Lungenblutungen zu, als bei einer Explosion gefährliche Dämpfe frei wurden. Die Ärzte empfahlen ihm ein ruhiges Leben mit wenig Bewegung. John trainierte sich jedoch und schon bald kamen seine Kräfte zurück. Schließlich fühlte er sich sogar so stark, um an Boxkämpfen teilzunehmen. Mit 16 nahm er Fernunterricht, um versäumtes Schulwissen aufzuholen, denn er wollte zum Studium aufs College. Nach zwei Jahren fühlte er sich fit und immatrikulierte sich an dem Asbury College für Psychologie. Um sein Studium zu finanzieren, jobbte er unter anderem als Kellner. In seine Freizeit führte er seinen Mitstudenten Zaubertricks vor. Zu dieser Zeit lernte er Dr. Harlan Tarbell kennen, der den berühmten Zauberkurs verfaßt hat. Fast gleichzeitig, 1927, begann der 16-jährige sich auch für das Fliegen zu interessieren.

Nach einigen Studienjahren erhielt Calvert die Chance, eine Zaubertournee zusammenzustellen und verließ das College. Zu dieser Zeit besaß Calvert bereits ein großes Ford Modell A-Coupé, mit dem er auf seine erste Tour ging. Aber schon bald wurde seine Show größer, und er mußte ein neues Fahrzeug kaufen. 1934 schaffte er es, daß seine Show von der Firma Chevrolet gesponsert wurde. 1935 konnte er einen ähnlichen Vertrag mit der Hud­son Motor Company abschließen. 1936 kaufte Calvert sein erstes Flugzeug. Er nahm nur eine Stunde offiziellen Unterricht. Fliegen wurde seine zweite große Leiden­schaft. Zu vielen seiner Gastspiele flog er, wäh­rend seine Mitarbeiter mit dem Auto oder Bus fuhren. Calvert flog unter anderem damals eine 8-sitzige Fokker und kaufte 1945 sogar ein großes Passagierflugzeug, eine DC-3, in der seine komplette Show und alle Mitwir­ken­den Platz fanden.

1939 setzte er sich ein besonderes Ziel: Er wollte mit seiner Show am Broadway gastieren, dabei versprach er sich, wenn dieses Ziel nicht erreicht werden würde, seine Show zu verkaufen.

Er schaffte es nicht – noch nicht, blieb aber seinem Versprechen treu und verkaufte im selben Jahr seine komplette Show an ein fahrendes Unternehmen. Danach ging er nach Hollywood, um hier sein Glück zu versuchen.

1941 wirkte er zum ersten Mal in einem Hollywoodfilm mit, als Double für Clark Gable in dem Streifen „Honky Tonk“. Einige Zeit später sah ihn die damals bekannte Kolumnistin Elsa Maxwell, als er in dem exklusiven Mas­quere Club eine Vorstellung gab. Sie schickte ihre Visitenkarte mit einer handschriftlichen Notiz in seine Garderobe: „Haben Sie Lust, auf meine Party zu kommen und meine Gäste mit Ihren Zaubertricks zu unterhalten?“ John Calvert ließ nur eine kurze Antwort zurückgehen: „Ich bin kein Unterhalter für eine Haus­party.“ Mrs. Maxwell entschuldigte sich und lud Calvert dennoch ein, ohne auf einer Zau­bervorführung von ihm zu bestehen. Aber auf der Party konnte sie dann doch nicht darauf verzichten, ihren Gästen zu sagen, wer er ist und so bat man ihn, etwas vorzuführen. John Calvert sprach sich kurz mit Danny Kaye und Cary Grant ab und führte unter anderem mit den beiden die „Pingpongbälle aus dem Mund“ vor. Da auf dieser Party auch Reporter der „Gelben Presse“ waren, wurde der Abend in vielen Klatschkolumnen besprochen und besonders Calverts Auftritt. Die High Society hatte einen neuen Star. Hollywood öffnete damit zum ersten Mal einem Zauberer alle Türen.

Kurz darauf wurde Calvert gebeten, eine Benefizvorstellung für Hollywood zu geben und man fragte ihn, welche Gage er dafür verlange. Obwohl Calvert all seine Requisiten verkauft hatte, sagte er zu und zwar ohne einen Cent Gage. Er borgte sich einige Zau­ber­u­ten­silien, unter anderem von Orson Welles und Charles Chaplin, und stellte eine Show zusammen, die zum Tagesgespräch wurde. Im Los Palmas Theater, um die Ecke vom Hollywood Boulevard, lief seine Show insgesamt 18 Wo­chen vor ausverkauftem Publikum und etliche Stars der damaligen Zeit waren Gäste seiner Show: die Marx Brothers, Chester Morris und viele mehr. Bis zum heutigen Tag war keine andere Zaubershow in Hollywood so erfolgreich. Auch wenn Calvert kein Honorar für die Benefizvorstellungen forderte, so zahlte sich dieses Gastspiel doch für ihn aus. Fast alle Agen­ten von Los Angeles boten ihm nun Ver­träge an. Obendrein erhielt er von der Colum­bia einen Vertrag über 7 Jahre mit der Klausel, pro Jahr 12 aufeinanderfolgende Wochen spiel­frei zu haben. Diese Zeit konnte er für seine Zaubershows nutzen. Kaum hatte er diesen Vertrag unterzeichnet, wurde ihm ein Gast­spiel im berühmten Loew’s State Theatre am Broadway angeboten. Es wurde bis heute das sensationellste Zaubergastspiel, das je am Broadway aufgeführt wurde. Pro Woche erzielte es Einnahmen von über 92.000 US-Dollar. Gleichzeitig legte es den Grundstein zu Calverts vielen großen Shows in den renommiertesten Theatern im ganzen Land. Zwischendurch drehte er immer wieder Fil­me in Hollywood und fing nun auch an, selbst Fil­me zu produzieren. Einer seiner besten und wichtigsten Filme war „Gold Fever“, der 1987 auch als Video herauskam und gute Erfolgs­zahlen einspielte. Bis zum Jahre 1949 tourte Calvert kaum außerhalb der USA. Nur in Mexiko und Kanada gab er Vorstellungen und wenige Male in Hawaii. Nun wollte er auf große Welttour geh­en. Neuseeland und Australien standen auf seinem Plan. Die Premiere sollte in Auckland stattfinden, aber aus nicht vorhersehbaren Gründen mußte sie kurzerhand in Christchurch stattfinden. Die Zeit war viel zu knapp, um eine ordentliche Vorstellung an diesem Ort durchzuführen. Für jeden anderen Zauberer wäre wohl eine Vorstellung, bei der so gut wie alles schief lief – Vorhänge öffneten und schlos­sen sich an den verkehrten Stellen, die Musiker spielten die falschen Noten, usw. – ein Desaster geworden. Nicht aber für John Calvert. Er nahm nach den ersten Pannen gleich das Zepter an sich und spielte mit allen Mit­­wirkenden mehr eine öffentliche General­probe als eine perfekte Show. Dabei ließ er viel Witz und Charme spielen. Das Publikum war begeistert und die Presse überschlug sich vor Lobeshymnen am nächsten Tag. Die Tour wurde ein voller Erfolg. Allein in Sydney spielten sie 1950 10 Wochen und erreichten einen Gesamtumsatz von 100.000 Pfund.

Mitte der 50er Jahre spielte die Calvert-Show auch in England (siehe auch John Fishers Artikel). 40 aufeinander folgende Wochen lang gastierte John Calvert in ausverkauften Häu­sern und konnte für sich eine Nettoeinnahme von rund einer halben Million US-Dollar verbuchen.

Ende der 1950er Jahre kam Calvert auf die Idee, mit einem eigenen Schiff auf Welttournee zu gehen. Er kaufte die „Sea Fox“, und mit 18 Besatzungsmitgliedern setzte er die Segel von Kalifornien nach Hawaii und später weiter nach Japan. Leider verlor Calvert durch un­glückliche Umstände das Schiff 1959. Aber schon 1962 kaufte er eine neue Jacht, die „Sea Nymph“. Im selben Jahr lernte John Calvert die am 31. Mai 1942 geborene Sän­gerin und Schauspielerin Barbara de Mello in Singapore kennen. Sie wurde bald „Tammy“, die unentbehrliche Assistentin und Ehefrau von John. Weitere Stationen auf ihrer Welttour waren 1964 und 1965 viele Städte in Südafrika. Hier besuchten sie zwischendurch Joy und George Adamson, die gerade ihren Film „Born Free“ drehten. In Johannesburg führte John 1964 unter anderem seinen berühmten „Blindflug“ vor. Ehe sie Afrika wieder verließen, kaufte John seine dritte Jacht, die „Mercury“. Die vierte Jacht kaufte er 1971 und nannte sie, nach Absprache mit den Larsen Brüdern, denen das berühmte Zauberschloß gehört, „Magic Castle“. Mit ihr reiste die Calvert-Show unter anderem nach Indien und Pakistan. 1972 kamen sie nach Karachi und trafen hier das deutsche Zauberpaar Ingo von Wilke und Michele Duanier.

1973 traf die Calvert-Show in Israel ein und gab u. a. in Eilath etliche Vorstellungen, die bereits lange im Voraus ausgebucht waren. Die fünfte Jacht kaufte Calvert Ende der 80er Jahre. Er ließ sie nach seinen eigenen Plänen auf den Kanarischen Inseln bauen und taufte sie auf den Namen „Magic Castle II“. Während sie gebaut wurde, zeigte er seine Show u. a. auch im Olympia Theater, Paris. 1984, inzwischen 73 Jahre alt, absolvierte er einen 5-Monatsvertrag im Casino Theater von Atlantic City. 1985 zeigte er in Nashville, Tennessee, wieder einmal seinen Blindflug. 1986 brach Calvert mit ausverkauften Vor­stellungen alle Rekorde im Orpheum Theater von Memphis, Tennessee. Bis heute ist Calvert aktiv auf der Bühne und be- und verzaubert sein Publikum mit wunderbaren Illusionen und vor allem mit seinem unglaublichen Charme. mw

(Zusammengestellt anhand des Buches: John Calvert – Magic and Adventures Around the World von William V. Rauscher, 1987)

Literatur

Eigen-Kreation

  • Kopf-Kreissäge

Zauberkasten

Quellen

  • Wittus Witt: Star, Phänomen, Legende, in: Magische Welt, Heft 2, 2004, Seite 94 ff.
  • Genii, 1948, Jahrgang 12, Heft 7, Seite 207
  • Genii, 1959, Jahrgang 24, Heft 2, Seite 37 und 55
  • Genii, 1982, Jahrgang 46, Heft 3, Seite 137
  • Genii, 1988, Jahrgang 52, Heft 6, Seite 329

Weblinks