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János Bartl

Aus Zauber-Lexikon
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Janos Bartl, Archiv Birgit Bartl-Engelhardt
János Bartl mit Tochter Elly, um 1940, Archiv Birgit Bartl-Engelhardt
Rosa Barlt mit dem „Schlusseffekt“, um 1950, Archiv Birgit Bartl-Engelhardt
Unterschrift-Janos.jpg

Janós Bartl (* 13. April 1878 in Nagy Belskerek/ ehem. Ungarn; † 27. September 1958 in Hamburg) war ein deutscher Zauberkünstler, Hersteller von Zauberrequisiten und Zauberhändler in Hamburg.

Leben/Wirken

Der 1878 geborene Bartl wuchs im damaligen Ungarn (heutiges Serbien) auf und erlernte nach der Schulzeit (Volks­schule und Gymnasium) das Buchbinder­hand­werk. Der Tradition folgend machte er sich an­schließend auf die Wanderschaft, seine Fertig­keiten in anderen Werkstätten zu vervollkom­mnen.

1902 war er erstmals in Hamburg gemeldet, wechselte aber dann ein Jahr später nach Berlin. Inzwischen hatte er seine beruflichen Kenntnisse um die des Buchbinder­vergolders erweitert. Während dieser Zeit muss er bereits Kontakt zur Zauberzunft gehabt ha­ben.

Der junge Janós lebte bis zum Jahr 1910 in Berlin und besuchte während dieser Zeit „Horsters Akademie für magische Kunst“ in der Friedrichstraße.

Ab 1909 wagte er den Sprung ins Profilager. János Bartl nannte sich nun „Aradi“. Vermu­tungen, dass er mit dieser Na­menswahl seine Anerkennung und die Nähe seines eigenen Stiles zu dem von „CONradi“ zum Ausdruck bringen wollte, sind jedoch nicht zutreffend.

Bei einem Besuch des gerade neu eröffneten Kölner Geschäftes „Zauberkönig“ im Dezember 1909 verliebte sich Janós in Rosa Leichtmann (*17. Juli 1884). Sie war die zweitälteste von vier Töchtern von Josef Leichtmann und dessen Ehefrau Leonia, die gemeinsam kurz zuvor das Zaubergeschäft eröffnet hatten, und das später von Rosas Schwester Melanie (10. Mai 1887 bis 20. April 1962) weitergeführt wurde.[1]

Die Familie Bartl war gut befreundet mit dem Zauberkünstler Erwin Frankoni.[2]

Die Zauberkönige

Ein paar Jahre zuvor hatte Josef Leichtmann der Überlieferung nach bereits den „Zauber­könig“ in München (1884, am Stachus) und fast gleichzeitig den „Zauberkönig“ in Berlin gegründet (ebenfalls 1884, Friedrichstraße 54). In München übernahm später die jüngste Leicht­manntochter Leonie (1. Dezember 1897 bis Dezember 1968) das Geschäft; den Berliner „Zauber­kö­nig“ führte deren Schwester Charlotte (4. Mai 1882 bis 31. Januar 1943). Rosa half vor ihrer „Blitz­hochzeit“ ihrer Schwester Melanie im Kölner Geschäft.

Bartls Akademie

Bereits 3 Monate nach ihrem Kennenlernen heirateten János und Rosa in London. Aus der Ehe gingen die Kinder Hans und Elly hervor. 1910 zog das frisch vermählte Paar für ein paar Monate nach Aachen, aber schon im Herbst wurden die zwei in Hamburg sesshaft. Ihre Adresse lautete: Colonnaden 5. Hier tauchte zum ersten Mal der Name „Bartls Akademie für moderne magische Kunst“ auf.

Nur ein paar Schritte von den Colonnaden entfernt eröffneten kurz darauf János und Rosa Bartl auf dem Neuen Jungfernstieg 1 ihr Zaubergeschäft, das schon bald Weltruhm erlangen sollte. Das imposante Eckhaus in bester Geschäftslage wurde in mehreren Bartl-Katalogen immer wieder gern abgebildet. Auch, als es schon längst nicht mehr Sitz des Bartl-Reiches war.

Der erste Weltkrieg (1914–1918) machte es dem Bartl-Unternehmen schwer. Während János 4 Jahre in englischer Kriegsgefangen­schaft verbrachte, führte Rosa das Geschäft allein weiter.

Bartl und Willmann

1919 schlossen sich Bartl und der damals bereits sehr bekannte Carl Willmann zusammen. Sie firmierten fortan unter „Vereinigte Zauberapparate-Fabrik Bartl & Willmann“. Nach 5 Jahren jedoch gingen beide wieder getrennte Wege.[3] 1930 wurde das riesige Eckhaus abgerissen, und die Firma Bartl musste umziehen. Unweit des alten Firmensitzes lautete die neue Anschrift ab dem Herbst des selben Jahres: Jungfernstieg 24.

Zauberzentrum János Bartl

Seltenes Werbeplakat Janos Bartl

Erstaunlicherweise hat die Firma Bartl den 2. Weltkrieg recht gut überstanden, obwohl Rosa Bartl Jüdin war.

1948 soll Rosa die neue Firmierung kreiert haben: „Zauberzentrum János Bartl“.

1952 zog die Firma abermals um, in einen ehemaligen Luftschutzbunker, Neuer Jungfernstieg Nr. 22.

Am 27. September 1958 starb János Bartl im Alter von 80 Jahren an Herzschlag. Rosa führte das Geschäft allein weiter.

Ära Rosa Bartl

1961 erhielt Rosa Bartl von der Stadt Hamburg, welche die Eigentümerin des Bunkers war, die Kündigung. Der Bunker sollte im Zuge einer Alsterufer-Verschönerung abgerissen werden. Da für 1963 die internationale Gartenbauausstellung geplant war, räumte man Frau Bartl, die versuchte, sich gegen die rechtmäßige aber kurzfristige Kündigung zu wehren, keinen längeren Aufschub ein. Im September 1961 verließ Rosa Bartl den Bun­ker und zog mit ihrem Geschäft in ihr Privat­haus in der Warburgstraße 47. Dieses Haus war ein mit viel Efeu bewachsenes, kleines „Hexenhaus“, in dem sie in der oberen Etage eine Verkaufsklause einrichtete. Gesundheits­bedingt entschied sich Rosa Bartl im Jahre 1968 zur Geschäftsabgabe und suchte in Kleinanzeigen und Pressemitteilungen (u. a. in der Künstlerzeitschrift Das Organ) nach einem Käufer für ihr inzwischen arg geschrumpftes Unternehmen. Sie verkaufte es per Vertrag vom 13. August 1968 an den 35jährigen Carl-Gerd Heubes.

Am 23. September 1968 starb Rosa Bartl in einem Hamburger Krankenhaus.

Die Ära „Bartl“ war zu Ende. Das "Zauberzentrum Janos Bartl" wurde von Carl-Gerd Heubes und seiner Frau Inge noch bis 1998 an verschiedenen Standorten weitergeführt und war einer der grössten Zauberversandhändler in Deutschland. Der Folgebesitzer Patrick Ebeling musste im Jahr 2001 Insolvenz anmelden. Die Marke "Zauber-Bartl" befindet sich noch in seinem Besitz.[4]

1968, kurz vor Rosa Bartls Tod, strahlte das WDR-Fernsehen einen 10 Minuten langen Bericht über die Zauberkunst innerhalb der Sendung „Bitte umblättern“aus. Den Auf­macher bildete ein Besuch in Rosa Bartls Zauberklause, in der die alte Dame die Was­sertüte und das Cobra Cobra-Seil vorführte. Sie finden diesen Mitschnitt auf der mw-Web­seite.

Bekannte Bartl-Kunststücke

  • Silk Wonder und Silkwonder-Perfekt (Nr. 4775)
  • Mortetti, der schwebende Totenkopf (Nr. 4767)
  • Cobra Cobra, das Seil, das man mehrmals zerschneiden und wieder restaurieren konnte (Nr. 4774)
  • Kartensteiger Perpetuum Mobile (Nr. 4772)

Bartl-Kataloge

Quellen

Weblinks

Nachweise

  1. Bericht in der Magischen Welt, Heft 2, 2008, S. 102 ff
  2. Birgit Bartl-Engelhardt: Die Bartl-Chronik, 1910–1998, Seite 143
  3. Siehe Willmann-Interview in Magische Welt, 1982, Heft 1, S. 11 ff
  4. Magische Welt, Heft 1, 2002, S. 386