Christian Wiedemann
Christian Wiedemann (* 28. Juni 1938 in Dresden) ist ein deutscher Zauberkünstler, Autor, Dozent und ehemaliger Vereinsvorsitzender.
Leben
Christian Wiedemanns Geburt fiel in eine außergewöhnliche Umgebung: zur damaligen Zeit befand sich seine Familie im historischen Residenzschloss Augusts des Starken. Der Luftangriff auf Dresden im Februar 1945 zerstörte sein Zuhause vollständig. Erst 1951 konnte er wieder einen festen Wohnsitz beziehen. Auch seine schulische Ausbildung war durch die Kriegsfolgen erschwert, da zahlreiche Schulen zerstört waren und der Unterricht nur unter provisorischen Bedingungen stattfinden konnte.
Nach der Schulzeit absolvierte Wiedemann eine Ausbildung zum Facharbeiter für pharmazeutische Chemie und war anschließend im Arzneimittelwerk Dresden/Radebeul tätig. Parallel entwickelte sich sein starkes Interesse an der Zauberkunst, das bald zu einem prägenden Bestandteil seines Lebens wurde.
1961 trat er dem Magischen Zirkel Dresden bei. Früh widmete er sich insbesondere der Nachwuchsarbeit und gründete einen eigenen Nachwuchszirkel für Kinder und Jugendliche, aus dem später das „Zauberstudio Dresden“ hervorging. Bis 1996 war er kontinuierlich in der praktischen Anleitung junger Zauberkünstler tätig, unter anderem in zwei Dresdner Jugendzentren.
Ein besonderer Schwerpunkt seines künstlerischen Wirkens lag auf der Mikrozauberkunst. Aufbauend auf der von Herbert Paufler begründeten Dresdner Tradition erweiterte Wiedemann dieses Gebiet vor allem durch präzise mechanische Konstruktionen, teils unter Einbeziehung mikroelektronischer Technik. Seine Entwicklungen zeichnen sich durch hohe handwerkliche Genauigkeit, klare Funktionslogik sowie verständliche Beschreibungen aus und waren in vielen Fällen für geübte Zauberkünstler nachbaubar. Zahlreiche seiner Kunststücke und Anleitungen wurden bis 1994 in der Fachzeitschrift Zauberkunst veröffentlicht.
Die in der DDR entstandenen, von ihm entworfenen und handgefertigten Requisiten gelten heute als gesuchte Sammlerstücke, insbesondere unter Liebhabern der Mikrozauberkunst. Aufgrund der geringen Stückzahlen und der aufwendigen Handarbeit sind originale Arbeiten von Wiedemann-WIDANO nur noch selten verfügbar.
1974 legte er vor einer 22-köpfigen Jury erfolgreich die theoretische und praktische Prüfung zum Berufsausweis als Zauberkünstler ab. In den folgenden Jahren wurde er für zahlreiche Auftritte im In- und Ausland durch die staatlichen Künstlervermittlungen der DDR engagiert. Sein Repertoire umfasste sowohl Programme für Kinder – drei unterschiedliche Programme von jeweils etwa 40 Minuten – als auch szenische Mikromagie für Erwachsene sowie ein Bühnenprogramm, jeweils überwiegend mit eigenen Entwicklungen.
Von 1977 bis 1995 leitete Christian Wiedemann den Magischen Zirkel Dresden. Seine sachliche, präzise und zuverlässige Arbeitsweise prägte diese Zeit nachhaltig und wird innerhalb des Zirkels bis heute geschätzt.
Neben der Zauberkunst widmete er sich in seiner Freizeit dem Bau einer umfangreichen Modelleisenbahnanlage, in der er seine Begeisterung für Mechanik und Elektronik weiter auslebte.
Christian Wiedemann-WIDANO lebt bis heute in Dresden. Sein Beitrag zur Entwicklung der Mikrozauberkunst, zur Nachwuchsförderung und zur handwerklich-technischen Präzision innerhalb der Zauberkunst nimmt einen festen Platz in der ostdeutschen Zaubergeschichte ein.
Artikel (Auswahl)
- Untrennbar, in: Zauberkunst, 1987, Heft 2, Seite 17
- Ein neues Sparverfahren, in: Zauberkunst, 1981, Heft 3, Seite 28 ff.
- Eine sich färbende Glühbirne, in: Zauberkunst, 1981, Heft 2, Seite 19 ff.
- Die Kartenuhr, in: Zauberkunst, 1983, Heft 3, Seite 20
- Ein mysteriöser Oldtimer, in: Zauberkunst 1978, Seite 20 ff.
- Meine elektrische Universalspielplatte, in: Zauberkunst, 1979, Heft 1, Seite 35 ff.
- Der gestohlene Buddha, in: Zauberkunst, 1980, Heft 2, Seite 16 ff.
- Widanos Schatzkiste, in: Zauberkunst, 2007, Heft 4, Seite 52 ff.
Quellen
- Archiv MZvD
- Manfred Scholtyssek über Widano, in: Zauberkunst, 2007, Heft 4, Seite 52