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Ken Fletcher

Ken (Kenneth Edward) Fletcher (* um 1936 in Worcester, Massachusetts; † 9. September 2016) war ein US-amerikanischer Zauberkünstler, Zauberhändler und Unternehmer. Er gründete 1974 das Unternehmen Magic Masters, das zunächst als Hersteller von Zauberrequisiten tätig war und später eine Kette von Zaubergeschäften betrieb. Besondere Bekanntheit erlangte Fletcher mit einem Verkaufskonzept, bei dem Zauberartikel in hochwertig ausgestatteten Geschäften präsentiert und von geschulten Zauberkünstlern nach festgelegten Vorführprogrammen demonstriert wurden.
Leben
Fletcher kam nach eigenen Angaben erstmals im Geschäft seines Vaters in Asbury Park, New Jersey, mit Zauberkunst in Berührung. Sein Vater betrieb dort am Boardwalk ein „5 & 10 Cent Store“, dessen Sortiment eine Abteilung für Scherz- und Zauberartikel umfasste. Verkauft wurden unter anderem Anfänger-Zauberartikel der Firma S. S. Adams.
Ein wichtiger Impuls ging von Henry Hays Buch Learn Magic aus, das Fletcher in seiner Schulbibliothek fand. Im Alter von 13 Jahren trat er dem I.B.M. Ring No. 123 in Long Branch, New Jersey, bei. In seiner Jugend gab er Vorstellungen für Kinder und trat auch bei seiner Highschool-Abschlussfeier auf.
Fletcher berichtete außerdem, dass ihm seine Großmutter eines Tages ein Paar präparierter Handschellen schenkte. Die Vorbesitzerin habe behauptet, ihr Ehemann sei ein Bruder Houdinis gewesen und die Handschellen hätten zu dessen Requisiten gehört. Fletcher selbst stellte ausdrücklich klar, dass er nicht wusste, ob die Handschellen tatsächlich Hardeen gehört hatten. Er bewahrte sie jedoch weiterhin auf. Diese Provenienz ist daher nicht als gesicherte Tatsache anzusehen.
Ken Fletcher wurde 79 Jahre alt.
Studium und berufliche Tätigkeit
Fletcher studierte an der Rutgers University. Während seiner Studienzeit blieb die Zauberkunst ein Hobby. Später arbeitete er im Verkauf in den Vereinigten Staaten und in Südamerika. Nach seiner eigenen Darstellung erwies sich seine Beschäftigung mit der Zauberkunst dabei häufig als Mittel, um Kontakte zu Kunden herzustellen.
Gründung von Magic Masters
1974 entschloss sich Fletcher nach eigener Aussage, seinen Lebensunterhalt vollständig im Bereich der Zauberkunst zu verdienen. Er verließ ein Unternehmen, das Franchise-Verkäufe betrieb, und gründete in Westbury, New York, die Firma Magic Masters.
Das Unternehmen war zunächst ausschließlich als Hersteller tätig. Sein erstes Produkt war der von Fletcher entworfene T.V. Card Frame. Fletcher führte dieses und Produkte anderer Hersteller zwischen 1974 und 1978 auf Zauberkongressen vor und verkaufte sie dort. Der von ihm entwickelte Card Frame wurde später von Mak Magic hergestellt.
- Rocky the Raccoon und Spring Animals
Ab 1975 führte Fletcher auf Kongressen auch ein aus echtem Fell gefertigtes „Spring Animal“ vor. Entwickelt und hergestellt worden war dieses von Jules Edelstein, mit dem Fletcher nach eigener Aussage befreundet war.
1984 kaufte Fletcher Edelsteins Unternehmen. Zum anschließend von ihm hergestellten Sortiment gehörten unter anderem:
- Rocky the Raccoon
- Lily the Skunk
- Judy the Mouse
sowie weitere sogenannte Spring Animals.
Aufbau der Magic-Masters-Geschäfte
Der Einstieg in den Einzelhandel entstand nach Fletchers Darstellung eher zufällig. 1974 hatte er im Rahmen einer finanziellen Vereinbarung mit einem Zaubergeschäft eine größere Menge von Zauberartikeln übernommen. Während eines Aufenthalts bei einem Verwandten in Atlanta, Georgia, entstand die Idee, diese Waren in einem vorübergehend eingerichteten Geschäft zu verkaufen.
Fletcher eröffnete daraufhin einen nur etwa sechs mal acht Fuß großen Verkaufsstand im OMNI-Einkaufszentrum in Atlanta. Von Anfang an wollte er dort ausschließlich Zauberartikel und keine Scherz-, Masken- oder sogenannten „Slum“-Artikel anbieten.
Das Geschäft entwickelte sich erfolgreich und bildete die Grundlage für weitere Filialen. Zum Zeitpunkt des Genii-Berichts von April 1988 bestand Magic Masters aus sechs Geschäften. Als Standorte werden Atlanta, Washington, D.C., Baltimore, New Orleans und St. Thomas genannt. Die Geschäfte befanden sich überwiegend in gehobenen Hotels oder touristisch stark frequentierten Bereichen.
Für die Magic-Masters-Geschäfte bestanden drei verschiedene Vorführprogramme, die in einer festen Reihenfolge eingesetzt wurden. Damit sollten insbesondere Hotelgäste, die mehrere Tage am selben Ort verbrachten, unterschiedliche Kunststücke sehen können.
Mitarbeiter
Zu den frühen Mitarbeitern und Weggefährten von Magic Masters gehörten mehrere später selbst bekannte Zauberkünstler.
Jeff Justice begann kurz nach der Eröffnung des ersten Verkaufsstandes mit Fletcher zusammenzuarbeiten. Beide entwickelten gemeinsam Verkaufsvorführungen für Magic Masters. Besonders Justice' Demonstration von Rocky Raccoon konnte nach Fletchers Angaben größere Zuschauergruppen vor dem Verkaufsstand versammeln.
Dennis Sowers kam wenig später hinzu. 1988 war er bereits seit mehr als neun Jahren für Magic Masters tätig, leitete die Ausbildung neuer Demonstratoren und beaufsichtigte die beiden Geschäfte in Atlanta. Eine eigene Vorstellung Sowers' im selben Genii-Heft bestätigt außerdem seine Zusammenarbeit und Freundschaft mit Fletcher.
Mike Abston beaufsichtigte 1988 zwei Filialen in New Orleans.
Auch David Williamson gehörte zu diesem Zeitpunkt zum Magic-Masters-Team.
Tätigkeit als Zauberkünstler
Fletcher war nicht ausschließlich Händler und Unternehmer, sondern trat auch selbst als Zauberkünstler auf. 1988 erklärte er allerdings, aufgrund der Leitung der Geschäfte und der Produktionsstätte kaum noch Zeit für reguläre Engagements zu haben. Gelegentlich sprang er in den Geschäften als Demonstrator ein.
Als eines seiner bevorzugten Kunststücke bezeichnete er das Ringspiel. Für Magic Masters hatte er eine eigene Routine mit acht Ringen geschrieben.
Quellen
- Mike Rogers: „Let's Meet Ken Fletcher and the Magic Masters“. In: Genii – The Conjurors' Magazine, 51. Jahrgang, Heft Nr. 10, April 1988, S. 578–582.
- „Dennis Sowers – a Demonstrator“. In: Genii – The Conjurors' Magazine, Vol. 51, Nr. 10, April 1988, S. 583.
- M-U-M, 106. Jahrgang, Heft Nr. 6, November 2016, Seite 14 und 24