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Spielkarte

Aus Zauber-Lexikon
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Die Spielkarte, Periodikum von Franz Braun

Spielkarten sind Blätter aus Karton (oder in Ausnahmefällen auch aus Plastik, Metall oder anderen Materialien), die auf der Bildseite unterschiedliche Kartenwerte tragen. Quartette, Schwarze-Peter-Spiele, Wahrsagekarten (ohne eine Verbindung zu den üblichen Kartenbildern) und ähnliche Spiele sind zwar auch Spielkarten, werden aber im Rahmen der Zauber-Pedia nicht berücksichtigt.

Kartenspiel

Dieses Wort ist in der deutschen Sprache doppeldeutig. Es bedeutet

  • ein Päckchen aus einer bestimmten Anzahl Spielkarten,
  • ein Spiel, das – im Gegensatz etwa zu Brettspielen – mit Spielkarten gespielt wird.

Bildseite

Die Bildseite (oder auch Vorderseite) einer Spielkarte ist die Seite, auf der sich der Kartenwert befindet.

Rückseite

Die Rückseiten der Spielkarten sind – von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen – bei allen Karten eines Spiels gleich.

Kartenbild

Gebrauchs-Kartenspiele haben üblicherweise auf der Bildseite ein sogenanntes Standardbild, das regional verschieden ist, bei den einzelnen Spielkartenherstellern meistens – aber nur unwesentlich – differiert.

Daneben gibt es Spiele mit besonderenKartenbildern, also etwa Luxusspielkarten, Spiele zu bestimmten Anlässen, Reproduktionen alter Spiele, Werbespiele mit spezieller Bildseite usw.

Ein Standardspiel kommt – wie schon erwähnt – im allgemeinen nur in einem mehr oder weniger großen Gebie vor, doch habe sich hier im Laufe der Zeit die Grenzen aufgeweicht, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg. Nachfolgend sind diejenigen Standardbilder aufgeführt, die heute in Deutschland noch relativ häufig zu finden sind:

  • a) Klubbild: (auch französisches Bild oder Berliner Bild genannt) entstand im 19. Jahrhundert und kommt fast nur in Deutschland vor, überwiegend im Norden und Westen.
  • b) Internationales Bild: Dieses Kartenbild war früher fast ausschließlich im englisch-amerikanischen Raum zu Hause, verbreitete sich im und nach dem Zweiten Weltkrieg aber über die ganze Welt.
  • c) Deutsches Bild: Unter dem Sammelbegriff Deutsches Bild gibt es auch heute noch eine Anzahl Kartenbilder mit deutschen Farbzeichen, die – wie ihre Namen angeben – nur in bestimmten Regionen Vorkommen. Die gebräuchlichsten sind das bayerische Doppelbild, das bayerische Einfachbild (das auch in Österreich, in Randgebieten Italiens und in Tschechien vorkommt), das fränkische, das württembergisehe und das preußisch-schlesische Bild sowie das sächsische Doppelbild. Andere deutsche Kartenbilder, wie etwa das sächsische Einfachbild und das Nürnberger (oder Ansbacher) Bild, sind inzwischen verschwunden.

Kartenwert

Die einzelnen Karten haben normalerweise beim Spielen einen unterschiedlichen Wert, der in den Spielregeln für das jeweilige Spiel festgelegt ist. Man unterscheidet folgende Kartenwert-Gruppen:

  • a) Asse: Das Ass ist im Allgemeinen der höchste Wert im Spiel. Bei manchen Spielen fungiert es allerdings auch als Wert 1. Bei Spielen mit deutschen Farbzeichen wird das Ass zum Teil noch "Daus" genannt und mit einem D im Index bezeichnet. In Luxusspielen sind die Asse häufig verziert. Zum Teil (insbesondere in den Niederlanden) findet man auf den Assen auch Abbildungen (etwa Ansichten von Sehenswürdigkeiten).
  • b) Bildkarten: Als Bildkarten bezeichnet man die Kartenwerte Bube, Dame und König. Bei Tarock- und Cego-Spielen kommt noch der Reiter hinzu, der wertmäßig zwischen Bube und Dame rangiert. Bei den Spielen mit deutschen (und Schweizer) Farbzeichen heißen die Bildkarten Unter, Ober und König. Auf weitere Varianten einzugehen, ist im Rahmen dieser Zusammenstellung unmöglich.
  • c) Nebenkarten: Nebenkarten sind die Werte 2-10 eines Spiels. Es gibt Spiele, bei denen nur ein Teil dieser Werte vorhanden ist.
  • d) Tarocke: In Tarock-Spielen (und ebenso in Cego-Spielen, bei denen es sich um Tarockspiele mit nur 16 Nebenkarten handelt) existieren zusätzlich 22 Tarocke, auf denen sich traditionelle oder aber sehr unterschiedliche Abbildungen befinden. Die Tarock-(Tarot-)Spiele oder auch nur die 22 Tarocke werden heute überwiegend zum "Kartenlegen" verwendet.

Farbserie

Ein Kartenspiel besteht - von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen - aus vier Farbserien. Bei einer Farbserie tragen alle Karten die gleichen Farbzeichen (s. dort).

Farbzeichen

Die Farbzeichen sind die Unterscheidungsmerkmale für die vier Farbserien. Es gibt - je nach dem Ursprung des Spiels - unterschiedliche Farbzeichen, z.B. Karo, Pik, Herz, Kreuz oder Schellen, Blatt (bzw. Grün), Herz (bzw. Rot), Eichel. Einzelheiten über die nach Ländern und Spielen unterschiedlichen Farbzeichen findet man in der Fachliteratur.

Index

Um den Wert einer Spielkarte auch erkennen zu können, wenn die Karten gefächert in der Hand gehalten werden, befindet sich auf den meisten Karten in zwei oder vier Ecken ein Index, der die Kartenfarbe (also das Farbzeichen) und den Kartenwert angibt.

Indexzeichen

Als Indexzeichen sind im Katalogteil die im Index angegebenen Kartenwerte gemeint. Es handelt sich üblicherweise um die Abkürzungen, also B für Bube, U für Unter usw.

Rückenmuster

Die Rückseite der Spielkarten ist heute mit einem mehr oder weniger originellen Rückenmuster versehen. Häufig vorkommende Rückenmuster sind dabei wie folgt definiert:

  • a) Schottenmuster: Muster aus sich kreuzenden parallelen Linien in meist unterschiedlichen Abständen. Alle Linien können die gleiche Farbe haben, doch kommen auch Schottenmuster mit zwei Farben vor.
  • b) Fliesenmuster: Regelmäßiges Muster aus geometrischen Figuren, wie man sie bei Fliesenböden findet, teils mit ornamentalen Zierrahmen.
  • c) Ornamentmuster: Symmetrische Muster, die häufig eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Teppich haben, oft mit einem Mittelfeld, umgeben von stilisierten Blätter- oder Blütenranken. Das Ornamentmuster hat meist eine weiße (gelegentlich auch farbige) Umrandung.
  • d) Motivmuster: Diese heute sehr beliebten Rückenmuster zeigen Menschen, Tiere, Blumen, Landschaften, Gemälde und vieles mehr. Im Allgemeinen sind sie mit einem weißen Rand versehen.

Verpackungsformen

Spielkarten werden in vielerlei Verpackungen verkauft. Die wichtigsten Verpackungsformen sind:

  • a) Papier- oder Cellophan-Hülle: Die häufigste Verpackungsform war ursprünglich die Papier- Hülle. Das Spiel wird dabei in einen speziellen kleinen Papierbogen eingepackt, der üblicherweise mit Angaben über das Spiel und den Hersteller bedruckt ist. Heute werden die meisten Spiele in Cellophan verpackt.
  • b) Pappetui: Es handelt sich um ein Etui aus dünner Pappe, das an einer Schmalseite mit einer Lasche versehen ist.
  • c ) Schuber: Schuber sind meist oben oder seitlich offene Etuis aus

Karton ohne Lasche, teils mit einem aufschiebbaren Deckel. d) Dose: Ein großer Teil der (in Cellophan verpackten) Spiele wird heute in Plastikdosen geliefert. Sie bestehen aus einem Unterteil, auf das ein loser Deckel gesetzt wird.

Geschichte

Die frühesten Erwähnungen von Spielkarten stammen aus China, aus der Tang-Zeit um 613 – 907. [1] Aber erst mit der Erzeugung von Papier und den immer besser werdenden Drucktechniken haben sich auch im Laufe der Jahrhunderte Spielkarten entwickelt. Die frühesten bekannten handbemalten Spielkarten, stammen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Sie waren nur für wohlhabende Menschen gedacht, die es sich leisten konnten, die individuell angefertigten Karten zu erstehen. Erst mit der Erfindung des Holzschnittes Anfang des 15. Jahrhunderts ließen sich Karten preisgünstliger herstellen. Karten aus dem 14. Und 15. Jahrhundert sind heute äußerst selten. [2]

Die Form

Die ersten, chinesischen Karten waren wesentlich schmaler als die heutigen. Das Maß der gänging Spielkarte liegt im Bereich von etwa 6 cm Breite mit einer Länge von etwa 9 cm. Darüberhinaus sind auch runde Spielkarten und zick-zack-förmige Karten bekannt.

Die Gestaltung

Anfangs zeigten die Spielkarten nur eine gestaltete Vorderseite, die Rückseite blieb unbedruckt. Dies änderte sich erst im 16. Jahrhundert, als man zunehmend merkte, dass durch die unterschiedliche Verschmutzung der Rückseiten verdeckt liegende Karten durch die verschiedenen Zeichnungen auf den Rückseiten zu erkennen waren. Heute ist die Spielkarte entweder mit einem einheitlichen Muster oder mit Bildern bedruckt. Die Symbole und Zeichnungen auf den Vorderseiten geben den jeweiligen Wert der Karte an. Diese sind in meistens in vier verschiedenen "Farben" aufgeteilt mit den Zahlewerten von 1 bis 10 und drei bis vier verschiedenen Figurenkarten. Waren anfangs die Karten mit sehr unterschiedlichen Motiven gestaltet haben sich im Laufe der Zeit die Figuren als Bube, Dame und König etabliert. [3]

Die deutschen Farben

Seit dem 15. Jahrhundert sind die Werte Schellen, Blatt, Herz und Eichel bekannt. Die Figurenkarten bezeichnet man als Ober (König), Unter (Bube) und Dame.

Das französische Blatt

Es soll im 18. Jahrhundert eingeführt worden sein. Seit dieser Zeit bezeichnet man die Farben einheitlich als Karo, Pik (auch Schippe), Herz und Kreuz (auch Treff).

Spielkarten in der Zauberkunst

Bereits in dem ersten Buch, das sich nur mit Zauberkunststücken beshäftigt, Hocus Pocus Junior, von 1634, werden Kunststücke mit Spielkarten erwähnt. [4] Interessant zu erwähnen, dass die erste Karte im Tarockspiel einen Zauberkünstler darstellt: Le Bateluer.

Literatur

  • Franz Braun, Spielkarten und Kartenspiele, Fackelträger Verlag, Hannover, 1966
  • Detlef Hoffmann, Die Welt der Spielkarte, Eine Kulturgeschichte, Edition Leipzig, 1972
  • Detlef Hoffman, Karten zum Zaubern, Heimeran Verlag, 1979
  • Franz Braun, Die Spielkarte, Mitteilungsblatt für Spielkarten-Sammler, 1964 – 2004
  • Peter Weise, Rund um die Spielkarte, Verlag Tribüne Berlin, 1988

Referenzen

  1. Der neue Brockhaus, Wiesbaden, 1975
  2. Spielkarten und Kartenspiele, Franz Braun, Fackelträger Verlag, Hannover, 1966
  3. Die Welt der Spielkarte, Detlef Hoffmann, Eidition Leipzig, 1972
  4. Karten zum Zaubern, Detlef Hoffmann, Heimeran Verlag, 1979