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Paul Kieve

Aus Zauber-Lexikon
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Paul Kieve
Paul Kieve mit seinem Partner Lawrence Leyton als The Zodiac Brothers um 1980
Plakat zu einer Veranstaltung mit Paul Kieve

Paul Kieve (* 14. Oktober 1967 in Woodfort, Nordosten von London) ist ein englischer Zauberkünstler und vor allem tricktechnischer Berater für Film und Fernsenen.

Leben

Als er 10 Jahre alt wurde, erhielt er einen Zauber­kasten, mit dem seine Leidenschaft begann. Seine Zauber-Karriere begann be­reits mit 16 Jahren, als er einige Karten-Zau­berkunststücke in dem Musik-Video von Sade „Your Love is King“ präsentierte.

Grundsätzlich hat er sich von Anfang an für visuelle, gute optische Zauberkunst begeistert. In den 1970er Jahren liebte er die Doug Henning Shows, die waren für ihn sehr visuell. Später wurde er auch stark von Jeff McBride beeinflusst, den er während einer Italien-Tour kennenlernte.

Bereits zur Schulzeit zauberte Paul und trat zusammen mit seiner Schwester Karen auf. Mit ihr zusammen nahm er als 18-Jähriger am Wettbewerb des Londoner Magic Circles teil: Young Magician of the Year. Er gewann den zweiten Platz. Leider verließ ihn die Schwester bald darauf, denn sie wollte eine eigene Karriere als Tänzerin beginnen. Tragisch, dass ihre Laufbahn durch einen tödlichen Autounfall im Jahr 1995 ein jähes Ende fand.

In Pauls Nähe wohnte ein weiterer Zau­ber­künstler, Lawrence Leyton, der zum Glück, so ähnlich aussah wie Paul. Beide zusammen bildeten nach Beendigung der Schule ein Duo und nannten sich The Zodiac Brothers. Sie wurden häufig für exklusive Kreuz­fahrten eingesetzt, absolvierten aber auch Auftritte in Nacht­klubs. Sie traten in Europa, Japan und USA auf. Insgesamt spielten die beiden fast fünf Jah­re ihre Shows. Ab und zu sogar auch auf Zauber­kongressen, allerdings sahen sie sich nicht als Zauberer für Zauberer. Obwohl sie eine verblüffende Schwebe präsentierten. Sie basierte auf der bekannten vertikalen „Yogano-Schwebe“. Donald Bevan, Redakteur der wöchentlich erschienenen Zauberzeitschrift Abracadabra, beschrieb die Zodiac Brüder als eine Art Reminiszenz an die Niberco Brüder, die in den 1960er und 70er Jahren in Holland sehr bekannt waren. Paul hat dieses Duo jedoch nie gesehen. Aber Parallelen gab es schon, da auch Paul und sein Partner Lawrence sich in ihrer Darbietung gegenseitig die Show stehlen wollten und ein Kunststück immer besser vorführen als der andere.

Nach dem Treffen mit Jeff McBride kreierten sie eine Ninja-Nummer, mit der sie ebenfalls erfolgreich auftraten. Mit diesem Akt gastierten sie im Magic Castle und in der Ron-Lucas-TV-Show, die von John Fisher für das ITV-Fernsehen produziert wurde.

Der unsichtbare Mann

Nach viereinhalb Jahren hatten die beiden „Brüder“ genug. Paul wollte etwas anderes tun und er überlegte, ob er nicht Theater und Produktion studieren sollte. Da kam dieser „berühmte“ Anruf, von dem man nur in Hollywood-Filmen hört. Die Zodiac Brothers hatten gerade ihre letzte fünfmonatige Kreuz­fahrt auf der „QE2“ hinter sich und kaum zwei Tage später rief ein Mann von einem Theater an. Er erzählte, dass man das Stück vom „unsichtbaren Mann“ auf die Bühne bringen wollte. Das war noch nie ein Bühnenstück. Es ist die berühmte Geschichte von H. G. Wells. Der Mann, der es für das Theater umschrieb und die Regie führen sollte, war kein geringerer als Ken Hill (28.1.1937 – 23.1.1995). Der Name ist wahrscheinlich hier nicht so bekannt, aber er ist derjenige, der gerade in kleinen Theatern oftmals spektakuläre Stücke inszenierte, mit vielen visuellen Effekten. Er brachte unter anderem auch als erster „Das Phantom der Oper“ heraus, von dem sich später Andrew Lloyd Webber zu seinem Musical inspirieren ließ. Ken liebte das GROSSE Theater. Es war auch seine Idee, im „Phantom“ ein Boot auf die Bühne zu bringen. Er war also genau der Richtige, der den „unsichtbaren Mann“ für die Bühne inszenieren konnte.

Als das Stück 1992 Premiere hatte, schrieben die Kritiken am nächsten Tag fast ausschließlich von den Effekten, die Paul Kieve eingebaut hatte. Er erhielt sofort von etlichen Freunden Anrufe: ,Hast du schon die TIMES gelesen? Fast die Hälfte der Kritik zu dem Stück beschäftigte sich mit der Frage: Wie können nur all diese Effekte zustande gekommen sein?’ Alle waren begeistert von diesen Dingen, die sich vor den Augen der Zuschauer abspielten. Solch eine Reaktion gab es wohl nie wieder auf ein Stück mit Zaubereffekten darin. Der meistdiskutierte Effekt spielte sich in der Szene ab, in der sich der unsichtbare Mann die Bandagen vom Kopf abwickelt, dennoch eine Zigarette raucht, und sich dann weiter auszieht, bis er nichts mehr anhat bzw. bis auf die rauchende Zigarette unsichtbar ist.

Kurz nach der Premiere vom „unsichtbaren Mann“ klingelte erneut das Telefon bei Paul. Am anderen Ende war wieder ein Mann vom Theater. Es war der bekannte Schauspieler Roger Allem (*26.10.1953), der den „unsichtbaren Mann“ gesehen hatte und davon begeistert war. Allem gehörte zur Erstbesetzung des Musicals „Les Misérables“, das in London Triumphe feierte. Er arbeitete gerade an der „Royal Shakespeare Company“ mit dem Stück „Dr. Jeckyl and Mr. Hyde“. Er bat Paul, an dieser Weihnachtsproduktion mitzuarbeiten. So wurde Paul Kieve plötzlich Mitglied der Royal Shakespeare Company und die Kette weiterer Theaterberatungen nahm keine Ende. Paul bekam bald den Ruf eines „Ali Bongos“, der ja ebenfalls viele (Fernseh-)Zauberer betreute.

Für Paul war es ein Glück, in London zu le­ben, wo es so viele Theater gibt und wo so viele Projekte ihren Ursprung finden. Aber abgesehen von Ali Bongo hatte Paul auf diesem Gebiet kaum Konkurrenz. Da es auch nie seine Absicht war, als vorführender Zauber­künstler eine große Karriere zu machen, fügte er sich in sein neues Schicksal sehr gern.

Seine Produktionen, die er mit speziellen Effekten versehen hat, lassen sich heute kaum noch aufzählen. Zu den bekanntesten Filmen gehört „Harry Potter and the Prisoner of Azkaban“. Darin spielte Paul auch selbst mit und brachte dem Hauptdarsteller Daniel Radcliffe einige „echte“ Zauberkunststücke bei. Paul ist nicht nur in Europa ein gefragter Mann, sondern auch in Kanada und den USA. So betreute er in Toronto die Produktion von „The Lord of the Rings“ und am Broadway die Show „The Woman in White“. 2010 arbeitete er an dem orientalischen Spektakel „India“ mit, das zwar mit großem Erfolg in Frankfurt startete, aber in Hamburg zum Jahresende in die Insolvenz gehen musste.

Quellen