Über 6,5 Millionen Aufrufe seit März 2014 · Ziel für 2019: Über 3 000 Biografien

Sie vermissen eine spezielle Biografie oder einen Artikel zu einem besonderen Thema? Dann helfen Sie bitte und schicken Sie uns eine Mail.

Ottokar Fischer

Aus Zauber-Lexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ottokar Fischer auf der Titelseite der Sphinx, August 1903
Ottokar Fischer auf der Titelseite des Linking Ring
Ottokar Fischer; handsigniert, Archiv: Wittus Witt
Ottokar Fischer; Archiv: Wittus Witt

Ottokar Fischer (* 10. November 1873 in Leschan, Mähren; † 1. Dezember 1940 in Wien) war ein österreichischer Zauberkünstler, Historiker und Autor.

Leben

Ottokar Fischer wurde als Sohn eines Oberlehrers geboren. Im Alter von 10 Jahren kam er nach Wien. Hier erlebte er bei einer Gesellschaftsfeier im Hause seines Vaters einen Mann, der Kartenkünste vorführte, die auf ihn einen großen Eindruck machten. Sein einziges Verlangen bestand darin, diese Künste auch machen zu können. Dieser Wunsch ging auch bald in Erfüllung, denn der besagte Herr erklärte ihm alle die „Geheimnisse", und von diesem Moment an konnte man den jungen Adepten den ganzen Tag Kartenkünste vorführen sehen. Von nun an war aber auch ein tiefes Interesse für die Zauberkunst gefasst.

Von Haus aus war Ottokar Fischer Mechaniker. Mit 18 Jahren trat er zum ersten Mal öffentlich auf. Um 1895 lernte er Georg Heubeck kennen, der ein Schüler von Johann Nepomuk Hofzinser war. Durch ihn erfuhr Ottokar Fischer vieles über Hofzinsers Zauberkunst. Sein Lehrmeister wurde Otto Graefe.

Fischer und Heubeck

(aus Die Zauberwelt): Fischer, der Heubeck wohl kannte, mit ihm aber nie in persönlichen Contakt getreten war, wendete sich, da er geradezu dieser Zeit geschäftlich sehr in Anspruch genommen war, schriftlich an die „Wittwe" und erbat sich die erforderlichen Daten über ihren „verstorbenen" Mann. Wie erstaunt war aber Fischer, als nach zwei Tagen der todtgeglaubte Heubeck persönlich bei ihm vorsprach. Heubeck war, wie wir schon wissen, da-mals bloss „todtgesagt". An diesem Tage wurde das Freundschaftsbündnis zwischen Heubeck und Fischer geschlossen, das bis zum Ableben Heubeck's währte. Heubeck fand an dem jungen Freunde einen grossen Gefallen, und Fischer musste Heubeck fast täglich besuchen. Der greise Künstler eröffnete seinem neuen Schüler, dessen hervorragendes Talent für die Magie er bald erkannte, eine neue ungeahnte Welt magi-scher Wunder, in die er ihn nach und nach einweihte. Zum Zeichen besonderer Zuneigung aber vertraute ihm Heubeck sämtliche Karten-Experimente Hofzinser's an, in deren Besitz er sich als letzter Schüler Hof-zinser's befand. Fischer, als letzter Schüler Heubeck's, wusste dieses Vertrauen zu schätzen. Er behandelt die Piecen mit inniger Pietät, und Heubeck hätte kaum einen Würdigeren finden können, in dessen Hände er sein Vermächtnis gelegt hätte. Fischer's Kartenkünsten-Schatz beläuft sich auf 32 Hofzinser'scher Original – Experimente. Nach Heubeck's Tod fiel ihm auch der gesamte schriftliche Nachlass zu, worunter sich viele wertvolle Original-Manuskripte Hofzinser's befinden.

Fischer und Kratky-Baschik

Im Jahre 1897 wohnte der Direktor des Kratky-Baschik's Zaubertheater einer Vorstellung des Fischer bei. Seine Vortragsweise und die Experimente gefielen dem Direktor derartig, dass er ihn für sein Theater auf ein Jahr (1898) verpflichtete, wo er unter dem Namen O. F. Marteau auftrat. Fischer war der erste Amateur, der an dieser Bühne wirkte. Seine Erfolge gestalteten sich hier so glänzend, dass die Direktion ihn noch vor Ablauf des ersten Spieljahres für weitere zwei Jahre – 1899 und 1900 – verpflichtete, und diese Spielzeit brachte ihm wieder einen grossen Erfolg.

Nach 1900

Im Jahre 1901 unternahm er eine Tournee, die ihn durch Italien, Rumänien, sowie durch die österreichischen Alpenländer führte. Er kehrte nach längerer Zeit zurück, um seine Stelle wieder aufzunehmen. Diese Tournee war, wenn auch nicht von materiellen, so doch von hohen moralischen Erfolgen begleitet.

Während seiner Thätigkeit hatte Fischer oft Gelegenheit mit den bedeutendsten Fachkünstlern bekannt zu werden, welche die grosse Fertigkeit Fischer's unverhohlen anerkannten, T. Nelson Downs und Harry Houdini zählen zu seinen besten Freunden.

Nach dem Ersten Weltkrieg verlegte sich Fischer mehr auf die Recherche der Zaubergeschichte und hier besonders auf das Werk von Hofzinser.

Nebenher betrieb er von 1915 bis 1929 ein Zaubergeschäft unter dem Namen Wiener Kunststätte für Magie. Fischer war eng befreundet mit dem deutschen Zauberkünstler Robert Farchmin, der später den Johann Nepomuk Hofzinser Ring stiftete und dessen erster Träger Ottokar Fischer wurde.

Viele Fischers Erkenntnisse über Hofzinser wurden inzwischen von seinem Landsmann ➟ Magic Christian ergänzt und zum Teil revidiert.

Auszeichnungen

Veröffentlichungen

Quellen

  • Die Zauberwelt, 8. Jahrgang, Heft 9, September 1901, Seite 179 ff.
  • Magie, 18. Jahrgang, Heft 12, Dezember 1935, Seite 180
  • Winkler, Gisela und Dietmar: Ottokar Fischer, in: Das große Hokuspokus, Henschelverlag Berlin 1981, S. 438 f.
  • The Sphinx, 2. Jahrgang, Heft 6, August 1903, Titelseite
  • The American Magician, 2. Jahrgang, Heft 8, November 1910, Titelseite
  • The Linking Ring, 16. Jahrgang, Heft 2, April 1936, Titelseite