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Harry Steffien

Aus Zauber-Lexikon
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Harry Steffien mit der Daumenfessel

Harry Steffien (* 29. Februar 1884 in Breslau als Hans Streckenbach; † 9. Februar 1957 in Hamburg) war ein deutscher Zauberkünstler.

Leben

Steffien wuchs in Breslau auf.

1904 trat er im Hansa-Theater in Hamburg auf. Danach absolvierte er etliche Gastspiel in weiteren deutschen und erupäischen Städten. Seine Gastspiele führten ihn bis nach Süd- und Nordamerika.

Nach dem zweiten Weltkrieg konnte Harry Steffien an seine alten Erfolge nicht mehr anknüpfen. 1950 trat er ein letztes Mal im Hamburger Varieté Allotria auf.

Da seine Ersparnisse durch die Währungsreform verbraucht worden waren, war er gezwungen, in ein Altenheim in Hamburg Farmsen zu gehen.

Als Steffien am 9. Februar 1957 eine Straße überquerte, wurde er von einem Kraftwagen angefahren und so stark verletzt, dass er auf der Stelle starb.


Erzählt von Paul Potassy in Magische Welt, Heft 1, 2005:

Harry Steffien trat stets in einem dunklen Straßenanzug auf. Zu seinen Vorstellungen kam er in einem Mantel gekleidet, der auch seine Requisiten enthielt. Auf einem darin angebrachten Haken bewahrte er die zwei Ringe auf, die er für die Daumenfesselung benötigte, und in einem kleinen Sack trug er den Eierbeutel. Für die Fesselung verwendete er übrigens Klingeldraht. Außerdem ging er immer mit einem Stock, den er ebenfalls für das Daumenkunststück benötigte. Sein Pro­gramm bestand nur aus diesen beiden Tricks. Er fing mit dem Eierbeutel an und brachte ihn in der ersten Reihe des Publikums. Hier suchte er sich immer gern einen Herren mit Glatze aus (die gab’s in Deutschland schon damals zur Genüge), um einen Extralacher zu erzeugen. Zu einem Zeitpunkt während der Routine legte er nämlich den Beutel mit dem Ei darin auf den Kopf des Herren, der dazu aufstehen mußte. Für die Zuschauer ein amüsantes Bild, das Steffien mit seinen lustigen Sprüchen entsprechend kommentierte. Gleich­zeitig hatte er aber auch so die Gelegenheit, seine Hände deutlich leer zu zeigen. Zum Schluß ließ er seine Handgelenke festhalten und produzierte das Ei. Die Daumenfesslung: Die Daumen wurden von zwei Zuschauern, die er auf die Bühne bat, mit Klingeldraht verbunden. Dann kam die „übliche“ Routine mit den beiden Reifen. Jeder der beiden Zuschauer warf einen Ring auf Steffiens verbundene Hände. Mit einer leichten Drehung nach rechts bzw. nach links landeten die Ringe schließlich auf den Armen Steffiens. Am Ende nahm er den Spazierstock und bat die beiden Zuschauer, ihn zu ergreifen. Es war ein ganz normaler Stock mit gebogener Krücke. Ein Zuschauer hielt den Stock am oberen, der andere am unteren Ende fest. Nun führte Steffien mit beiden Zuschauern eine Art Dialog. Er machte mehrere „Finten“, zeigte dabei jedoch immer die verbundenen Daumen. Schließlich brachte er mit seinem Redefluß beide Zuschauer zum Lachen und sagte dann plötzlich zu dem einen: „He, Sie stehen auf meinem Fuß.“ Alle schauten nach unten – Steffiens Hände gingen „durch“ den Stock. Unmittelbar darauf ging Steffien um einen der Zuschauer herum und verbeugte sich. Die zwei Zuschauer standen völlig perplex da: einer den Stock oben, der andere den Stock unten haltend. Ein lustiges Bild. Ein Page kam mit einer Zange auf die Bühne, zwickte die Daumenfesslung auf. Steffien geleitete die zwei Helfer zur kleinen Brücke, die über das Orchester führte, verbeugte sich und ging unter tosendem Applaus und Bravo-Rufen ab.

Anmerkung Wittus Witt:

1945 erlebte auch der Berufszauberkünstler Lev Blaha eine Vorstellung von Harry Steffien. Inspiriert von dessen Darbietung präsentierte er später in seinem Programm ebenfalls haupt­sächlich diese beiden Kunststücke „Daumenfessel“ und „Eierbeutel“. Lev Blaha wurde damit speziell in den 1970er und 1980er Jahren ein sehr erfolgreicher Künstler in Deutschland.

Quellen

  • Nachruf in: Magie, Heft 4, 1957, Seite 88