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Fredo Raxon

Aus Zauber-Lexikon
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Plakat Fredo Raxon; Archiv: Wittus Witt
Fredo Raxon; Archiv: Wittus Witt
Fredo Raxon, um 2000; Archiv: Wittus Witt

Fredo Raxon (* 24. Juli 1923 in Leipzig als Fritz Frackmann; † 15. Dezember 2008, war ein deutscher Zauberkünstler und Taschendieb.

Leben und Wirken

Die Anfänge

Er war der dritte Sohn seiner Mutter Magdalene de Planque und des Vaters Curt „Fracka“ Frackmann. Der älteste Bruder Gerhard, aus erster Ehe der Mutter, war Fotograf wie der Großvater Maximilian de Planque, der sich „Kaiserlicher Hoffotograf“ nennen durfte.

Fritz ging in Leipzig zur Realschule und begann, nachdem er die mittlere Reife abgelegt hatte, eine kaufmännische Lehre bei dem Fotografen Pinkau in Leipzig.

Bereits mit 12 Jahren hatte Fritz mit der Zauberei begonnen. Sein Vater hatte ihn eines Tage mit auf den Kirmesplatz genommen, wo die „Cumberland Schau“ spielte. Deren Leiter, Curt Vogt, wurde Fritz’ erster Zauberlehrer, allerdings mit etwas Widerwillen. Erst als Vogts Medium, Käthe Bley alias „Magneta, das schwebende Rätsel“, sich für Fritz einsetzte, begann der Zauberunterricht. Der nächste Lehrmeister wurde etwas später Fredo Marvelli.

1941 wurde Fritz Frackmann mit 19 Jahren zur Wehrmacht eingezogen und musste am Russlandfeldzug teilnehmen, was ihm 1944 eine 5 Jahre lange russische Kriegsgefangenschaft bei Nowgorod am Ilmensee einbrachte. Auf der einen Seite überlebte er diese Dank seiner Zauberkünste, die er immer wieder in dem Lazarett zeigen musste, aber auf der anderen Seite behielten ihn die Russen auch genau deswegen länger bei sich, weil ihnen die Zauberei so gut gefiel, mit der Fritz die Lagergenossen bei Laune halten konnte. Insgesamt achtmal stand er auf der Heimkehrerliste, ehe er dann doch 1949 endlich freikam. Da konnte es sich Fritz aber nun nicht verkneifen, dem Kommandanten des Lazaretts die Taschenuhr zu stehlen – es ist die einzige, die er nicht wieder zurückgab.
Nachdem Fritz aus dem Krieg heimgekehrt war, sollte er zunächst zusammen mit seinem Bruder Hans den väterlichen Betrieb, Hotel-Silber und -Porzellan, übernehmen. Da aber eine baldige Enteignung in Leipzig absehbar war, entschloss er sich, sein Hobby Zauberei zum Beruf zu machen.

1955 verließ er Ostdeutschland – als Artist hatte er Reisefreiheit. Seine Ehefrau – sie heirateten am 16.11.1954 – folgte mit einem Wohnwagen. Die erste Station war Düsseldorf. 1958 wohnten sie in Ratingen, 1961 in Leverkusen. Immer noch im Wohnwagen. 1964 kaufte Fredo Raxon, wie er sich inzwischen längst genannt hatte, die erste Eigentumswohnung in Köln. 1968 zogen sie nach Königstein, wo Fredo bis zu seinem Tode lebte.

Von Fracko über Raxelli zu Fredo Raxon

Bei Curt Vogt von der Cumberland Schau erlernte Raxon nicht nur das Zaubern, sondern auch die Kunst des Taschendiebstahls. Aber eine eigenständige Darbietung als Taschendieb wollte Fredo nie aufbauen. Für ihn war es stets nur eine besondere „Würze“ in seinem ansonsten sprachorientierten Programm, das er in vielen ausländischen Ländern präsentierten konnte. Bei der Zusammenarbeit mit Künstleragenturen lernte er schnell fast immer „Ja“ zu sagen. „Können Sie in Griechenland auftreten?“ fragte ihn seine Agentin, Gisela Burghardt, in Düsseldorf eines Tages. „Ja“ war seine Antwort und auf der Fahrt nach Athen lernte er die nötigen Vokabeln für seine Darbietung. Noch während er in Griechenland gastierte kam eine neue Anfrage: „Können Sie in Finnland arbeiten?“ Natürlich konnte er und er sagte wieder „Ja“ und begann sofort, finnische Vokabeln auswendig zu lernen.

Bereits mit 16 Jahren verfügte Fredo Raxon über eine eigene Show, mit der er im Leipziger Kabarett „Eden“ auftrat. Überhaupt bestand seine Jugend bald aus diesen zwei Dingen: der Schule morgens und dem Erlenen von Zauberkunststücken am Nachmittag.

Anfangs nannte er sich Fritz Frackmann und entwarf mit diesem Namen auch seine erste Werbekarte: »Fritz Frackmann – Empfehle mich als kleiner „Zauberkünstler“ für Vereine und Familienfestlichkeiten aller Art.« 

Mit 20 entschloss sich „der kleine Zauberkünstler“, den Spitznamen seines Vaters Fracka in leicht veränderter Form zu verwenden und nannte sich bis 1949 nun Fredo Fracko.

Programmheft um 1950
Programmheft um 1950

Ab Ende 1949 nannte sich Fredo nun Raxelli, in Verehrung vor seinem zweiten bedeutenden Lehrmeister Fredo Marvelli. Bis zu seinem letzten Auftritt in den 1990er Jahren zeigte Raxon die „Seil-Vase“ in der gleichen Art und Weise, wie es Fredo Marvelli tat. Alte Filmaufnahmen von Marvelli und ein Videoband von Raxon belegen dies deutlich.
Nach vier Jahren legte Raxelli schließlich die „Elli“ – wie er es selbst bezeichnete – ab und trat nur noch als Raxon, später dann auch immer häufiger als Fredo Raxon auf.

Ein in den 1950er beliebter Auftrittsort waren die großen Kinosäle, in denen Künstler jeweils vor den Filmen mit ihren Darbietungen das Publikum unterhielten. So auch Raxon, der neben seinen eigenen Abenden häufig als „Vorprogramm“ zu bewundern war. Oftmals trat er am selben Tag in mehreren Kinohäusern auf. Eines seiner ersten Engagements unter dem Namen Raxon war ein Monatsgastspiel im berühmten Berliner Friedrichstadt-Palast im September 1953.

Bald reiste er nicht mehr ins Ausland. 1973 gastierte er zum letzten Mal in einem deutschen Varieté in einem Monatsengagement, ehe er sich ganz auf das „Tagesgeschäft“ verlegte. Dieses hielt ihn jedoch nicht davon ab, auch einmal mit dem berühmten Komiker Heinz Erhard und der Schauspielerin Marika Rökk auf eine ausgedehnte Tournee zu gehen.

Auch in Fernsehshows konnte man Fredo Raxon erleben. Er war zusammen mit dem bekannten Musiker Hazy Osterwald Gast in der beliebten Mike-Molto-Show und er verzauberte das damals berühmte deutsche Fernseh-Tanzlehrer Ehepaar Fern in deren Sendung.
Raxon kam ein weiteres Mal mit dem Fernsehen in Kontakt, als ihn der Schauspieler Till Schweiger bat, ihm für eine Rolle ein paar Kunststücke beizubringen.

Raxon war stets der elegante Herr, der seine Zuschauer mit viel Charme und angenehmer Sprache verzauberte. Dazu gehörten viel Witz und manchmal auch kleine Frechheiten, die er sich erlauben durfte. In gewisser Weise wandte Fredo Raxon schon damals das Prinzip an, das man heute bei vielen Talkmastern erleben kann: sittsam gekleidet, gut aussehend und dann frech. Gerade seine direkte Art gefiel dem Publikum, egal ob es reich, superreich, promiment oder „normal“ war. Raxon verstellte sich nie, sondern war stets gleich frech, aber immer höflich. Wenn es in den 1970er und 80er Jahren um besonders hochkarätige Veranstaltungen in Deutschland ging, war Fredo Raxon so gut wie immer dabei. Viele jüngere Kollegen, die Fredo Raxon erlebten, haben sich von ihm inspirieren lassen. Unter anderen kopierte der deutsche Zauberkünstler Ted Lesley anfangs mehrere Routinen von Raxon wortwörtlich. Raxons bedeutendster Schüler war der amerikanische Zauberkünstler Richard Hatch, der ihn 1970 während eines Gastaufenthaltes in Deutschland kennengelernt hatte und zeitlebens mit ihm in freundschaftlicher Verbindung blieb. Richard Hatch war es auch, der für die Zeitschrift „Magische Welt“ Raxons besondere Form des Münzenausrollens zwischen den Fingern in Bildern festhielt.

Neben seiner Sprechdarbietung widmete sich Fredo Raxon in den letzten Jahren immer mehr der Mentalzauberkunst und hatte viele neue Ideen zu bekannten Effekten und Routinen. Seine Version des „Master Bill Switch“ war so raffiniert, dass sie sogar von einem Zauberhändler vertrieben wurde.

Fredo Raxons Darbietung

Auf der Bühne steht ein unscheinbarer Tisch. Raxon wird angekündigt. Danach betritt er im tadellos sitzenden, nachtblauen Smoking die Bühne und hat sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Er begrüßt seine Gäste charmant, freundlich und nicht übertrieben höflich. „Zu Beginn eine kleine Manipulation“, sagt er und die Musik setzt ein. Raxon zeigt einen äußerst eindrucksvollen Zigarettenfang mit brennenden Glimmstängeln. Es folgt die weiter oben bereits erwähnte Seil-Vase, und obwohl Raxon auf der Bühne steht und er die Requisiten nicht aus den Händen gibt, palmiert er jedesmal die geheime Kugel aus der Vase heraus. Raxon geht ins Publikum, um sich einen geeigneten Mitspieler auszusuchen, mit dem er Kartenkunststücke ausführen wird. Dies ist für ihn die erste Gelegenheit, seine Taschendiebstahlkünste anzubringen. Hat er einen geeigneten Zuschauer gefunden, geht er mit ihm zur Bühne und lässt ihn auf einem Stuhl Platz nehmen. Raxon zeigt jetzt einige Kartenkunststücke, u. a. eine Kartenverwandlung mit Hilfe des „Filierens“ (die oberste Karte des Spieles wird mit der einzelnen Karte in der anderen Hand ausgetauscht). Der krönende Abschluss dieser Kartenroutine bildet ein Degen, mit dem er genau die Karte aufspiesst, die der Zuschauer gewählt und zusammen mit dem kompletten Spiel in die Luft geworfen hat. Abermals geht Raxon ins Publikum und sucht einen geeigneten Mitspieler aus. Auf der Bühne angekommen, wird dieser „beklaut“, ehe Raxon seine beiden großartigsten Kunststücke präsentiert: Das Tuchei, das zum Schluss als echtes Ei aufgeschla- gen wird, und schließlich das Durchdringen eines Wasserglases durch die Tischplatte. Es ist ein Kunststück, das wohl jeder Zauberkünstler kennt und das häufig in Kinderzauberbüchern beschrieben wird, das aber wohl nie – außer bei Raxon – profes- sionell auf der Bühne vorgeführt worden ist, sondern immer nur sitzend am Tisch. Hier wird im Allgemeinen das Glas zuerst mit einem Bogen Papier umwickelt, um es dann geschickt und unbemerkt auf den Schoß fallen zu lassen. Die Steifheit des Papieres behält die Form des Glases, so dass der Zuschauer davon überzeugt sein muss, das Glas sei immer noch unter dem Papier. Das „Papierglas“ wird auf dem Tisch hin- und hergeschoben bis zum Schluss die Hand kräftig die Hülle flach zusmmendrückt. Sofort bringt die andere Hand das Glas vom Schoß zum Vorschein, so, als ob es soeben die Tischplatte durchdrungen hätte. Für die Bühne hat Fredo Raxon eine eigene, noch nie zuvor irgendwo gesehene Version entwickelt. Auch Raxon arbeitet mit der Papierhülle und lässt zu einem bestimmten Moment das Glas herausrutschen. Rasch klemmt er es zwischen seine Oberschenkel. Dazu steht er etwas gebückt, um die Position für das Glas auf dem Tisch genau zu bestimmen. Dann drückt er kräftig auf die Hülle und holt unmittelbar danach das Glas aus der Innenjackentasche des Zuschauers hervor. Zum Schluss seiner Darbietung gibt Raxon sämtliche Brieftaschen und Uhren zurück, die er im Laufe seines Auftrittes entwendet hat. „Lachen Sie nicht – Ihre habe ich auch ...“ [1]

Literatur

  • Magische Welt, Heft 4, 28. Jahrgang, 1979
  • Witt, Wittus: Persönlichkeiten in der Zauberkunst – Fredo Raxon, Verlag Harri, 2013, 16 Seiten
  • Fredo Raxon zum 80. Geburtstag, in: Magie, Heft 7, 2003, Seite 340 ff.

Weblinks

Nachweise

  1. Dank an: Mike Frackmann, Fredo Raxons Sohn, bei Michelle Spillner, die für die „Magische Welt“ 2003 ein ausführliches Porträt über Fred Raxon brachte